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Höchst unterschiedlich: regionale Entwicklung

Die bisherigen Ausführungen könnten den Eindruck erweckt haben, Deutschland befinde sich zwar in der Anfangsphase eines demographisch bedingten Rückgangs der Bevölkerung, die damit verbundenen Probleme, u.a. auf dem Wohnungsmarkt, seien aber in den kommenden 20-30 Jahren zumindest in den alten Bundesländern noch nicht eklatant. Dass es sich dabei um einen Trugschluss handelt, wird erst deutlich, wenn die Bundesrepublik nicht mehr in ihrer Gesamtheit betrachtet wird.

Als Folge räumlich divergierender Entwicklungen aus Zu- und Abwanderungen, Abbau und Gewinn an Arbeitsplätzen, natürlicher Bevölkerungsentwicklung und veränderter Zusammensetzung der Altersgruppen werden sich die Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich entwickeln. Auf der Ebene der Bundesländer schwankt das Bevölkerungswachstum bis 2050 nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zwischen +10% und –15%. Auf der nächsttieferen Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte werden nach Angaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) bis zum Jahr 2020 drei Viertel aller kreisfreien Städte und jeder zweite Landkreis Bevölkerungsrückgänge aufweisen.



Bildergalerie mit Informationsgrafiken zum Thema 'Demographischer Wandel und Wohnraumnachfrage'

Quelleninformationen zu den Grafiken

Wachstum, Stagnation und Schrumpfung werden in den Landkreisen und Kommunen in enger räumlicher Nachbarschaft auftreten. Die prozentuale Schwankungsbreite wird hier und selbst innerhalb einer Stadtregion deutlich größer sein als die zwischen den Bundesländern.

Auf der einen Seite können prosperierende und wirtschaftsstarke Ballungsräume auch über das Jahr 2030 hinaus mit angespannten und von Nachfrageüberhängen geprägten Wohnungsmärkten rechnen. Auf der anderen Seite werden einige wirtschaftlich schwächere Gebiete vor allem in Ostdeutschland, in altindustrialisierten Regionen wie dem Ruhrgebiet und dem Saarland oder in ländlich-peripheren Gebieten schon deutlich früher und mit überdurchschnittlich starken Rückgängen der Wohnungsnachfrage zu rechnen haben.

Die erhebliche Bandbreite der Entwicklungen auf kleinräumlicher Ebene verbietet es, Aussagen über die Entwicklung der Wohnungsnachfrage in ganz Deutschland oder auch einzelner Bundesländer auf einzelne Städte oder Regionen "herunterzubrechen". Berechnungen können immer nur auf der räumlichen Ebene – Bundesland, Kreis, Stadt – Geltung beanspruchen, für die sie erstellt wurden.


Ursachen der regionalen Entwicklungsunterschiede
Unterschiedliche Geburtenraten und Wanderungsbewegungen sind die Ursache der divergierende Entwicklung der Städte und Landkreise.

In hochverdichteten Regionen, insbesondere in Kernstädten, ist die Geburtenrate unterdurchschnittlich. In weniger stark verdichteten Regionen, insbesondere in den Umlandkreisen von Städten, liegt sie dagegen über dem Durchschnitt. Diese natürliche Bevölkerungsentwicklung wird jedoch von Wanderungsbewegungen überlagert und beeinflusst.

Die größten regionsspezifischen Unterschiede sind Folge von Wanderungsbewegungen. Die Entwicklungsverläufe der regionalen Bevölkerungsentwicklung und der Siedlungsstruktur hängen in entscheidendem Maße von der regionalen Verteilung des Arbeitsplatzangebotes und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort ab. Ökonomisch starke Regionen erfahren mehr Zuwanderung und weisen eine höhere Geburtenrate auf, da sie vermehrt junge, Arbeit suchende Menschen anziehen. Auf lange Sicht kann in von Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Regionen eine Abwanderungs-, Alterungs- und Schrumpfungsspirale in Gang kommen. In den neuen Bundesländern ist dieser "Teufelskreis" bereits vielfach zu beobachten.

Vielzahl von Wanderungsprozessen
Auf kommunaler Ebene summieren sich eine Vielzahl von Wanderungsprozessen:
1. die internationalen Zu- und Abwanderungen
2. die weiträumigen Binnenwanderungen auf Länderebene
3. die Wanderungen innerhalb der Länder auf regionaler Ebene
4. die kleinräumigen wohnumfeldbezogenen Wanderungsbewegungen
("Suburbanisierung")

Internationale Wanderungen verstärken das siedlungsstrukturelle Gefälle insofern, als sie bevorzugt in die wirtschaftlich prosperierenden Agglomerationszentren erfolgen und dort insbesondere in die Kernstädte, während dünn besiedelte Landkreise kaum von ihnen profitieren können. Da Zuwanderung nach Deutschland in erster Linie Familiennachzug ist, werden die bestehende räumlichen Verteilungsmuster auch in Zukunft bestehen bleiben.

Binnenwanderungen finden hingegen aus den verschiedensten Gründen und in den unterschiedlichsten Lebensphasen statt. Die 18-25-Jährigen zieht es tendenziell eher in die größeren Städte, da diese ein größeres Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen bieten und über Hochschulen und ein anregendes Kultur- und Freizeitangebot verfügen.

Dagegen wenden die 30-49-Jährigen mit ihren Kindern (unter 18-Jährige) den Zentren eher den Rücken zu ("Familienwanderer"). Sei es, weil sie sich bewusst gegen das Leben mit Kindern in der Stadt entschieden haben, sei es, weil sie aus Angebots- und Kostengründen nur dort ihre Wohnwünsche realisieren können. Dementsprechend weisen die hochverdichteten Kreise in Agglomerationsräumen und die verdichteten Kreise in verstädterten Kreisen die höchsten Zuwächse dieser Altersgruppe und der mitziehenden Minderjährigen auf.

Die Altersgruppe ab 50 Jahren, insbesondere aber die ab 65 Jahren, zeigt nur noch ein sehr geringes Mobilitätsverhalten, das aber ab einem Alter von etwa 75 Jahren erneut etwas ansteigt (i.d.R. pflegeorientierte Wanderungen). Die "Ruhesitzwanderer" (ab 65 Jahren) zieht es tendenziell in landschaftlich attraktive, eher ländliche Regionen. Dort kann die aktive (Zuzug Älterer) und passive (Fortzug Jüngerer) Alterung zu einer beschleunigten demographischen Alterung und einem raschen Rückgang der Siedlungsdichte führen. Die in der Regel pflegeorientierten Wanderungen im hohen Alter (über 75 Jahren) – zu Familienangehörigen oder in Alten- und Pflegeheime – folgen keinem spezifischen räumlichen Muster.

Auf kommunaler Ebene ziehen auch "weiche Standortfaktoren"
Christian Breu, der Direktor des Planungsverbands "Äußerer Wirtschaftsraum München", benennt folgende Pluspunkte, die Gemeinden aufweisen müssen, um Einwohner anzuziehen: „Eine Gemeinde muss zunächst einmal wirtschaftlich attraktiv sein, das heißt attraktive Arbeitsplätze bieten. Sie muss in günstiger Lage zu schon bestehenden zukunftsträchtigen Unternehmen liegen. (...) Daneben muss die Infrastruktur stimmen – nicht nur die verkehrsmäßige, was möglichst Schienenanschluss bedeutet. Auch die soziale Infrastruktur mit Kinderkrippen, Kindergärten, Jugendzentren, Einrichtungen für ältere Menschen ist gefragt. Hinzu kommen möglichst fußläufig zu erreichende Einkaufsmöglichkeiten; idealer weise ergänzt um Schulen und Volkshochschule. Als Wohnstandort sind Gemeinden dann besonders begehrt, wenn sie darüber hinaus attraktive und zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichende Erholungseinrichtungen aufweisen, und möglichst wenig von Lärm geplagt werden.“
(Christian Breu, zitiert nach: Brunckhorst (2004): Beim Wachstum auf Qualität statt Quantität setzen. In: Süddeutsche Zeitung vom 08.06.2004, S. 4.)

Zentraler Zuzugsfaktor einer Region sind Arbeitsplätze. Da Wohn- und Arbeitsort zwar in erreichbarer Nähe sein, aber nicht zwingend zusammenfallen müssen, sind für die Wohnortwahl innerhalb einer Region noch andere Faktoren von Bedeutung. Kommunen, die als Wohnort attraktiv sind, können daher in einer wachsenden Region stärker von wanderungsbedingtem Bevölkerungswachstum profitieren als weniger attraktive Gemeinden. In schrumpfenden Regionen dagegen werden die attraktiveren Kommunen vermutlich in geringerem Maße vom wanderungsbedingten Bevölkerungsrückgang betroffen.



Literatur:

Bucher, H.; Schlömer, C.; Lackmann, G. (2004): Die Bevölkerungsentwicklung in den Kreisen der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1990 und 2020. In: Informationen zur Raumentwicklung. Heft 3/4.2004, S. 107-125.

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.) (2004): Raumordnungsprognose 2020. Bevölkerung, Private Haushalte, Erwerbspersonen. Bonn. (CD-ROM)

Flöthmann, E. J. (2002): Binnenmigration und regionale Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung.
www.uni-bielefeld.de/download/Binnenmigration.pdf

Kirbach, R. (2001): Land ohne Leute. In: Die Zeit, Nr. 20 vom 10.05.01. S. 13

Mäding, H. (2000): Wanderungsprozesse – Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft und die Städte. Aktuelle Information. Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin



Ansprechpartner: Dr. Tobias Robischon

 
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Letzte Änderung: 28.07.2005