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Entwicklung der Privathaushalte

Die Zahl der Haushalte in Deutschland wird noch bis ca. 2020 ansteigen und bis 2030 in etwa stabil bleiben. Dies geschieht trotz des bereits früher einsetzenden Bevölkerungsrückgangs, in erster Linie wegen altersstruktureller Veränderungen. Erst nach 2030 ist mit einem Rückgang der Zahl der Haushalte zu rechnen.

Die Zahl und Zusammensetzung von Haushalten – und damit von Wohnraumnachfragern - wird im Wesentlichen von zwei Aspekten bestimmt:
  1. der Entwicklung der Altersstruktur, die z.B. festlegt, wie viele Personen gerade im typischen Familienbildungsalter sind und
  2. der Entwicklung des Haushaltsbildungsverhaltens, z.B. der vermehrten Entscheidung von Frauen, keine Kinder zu bekommen oder erst später zu heiraten und vorerst alleine zu wohnen.

Bildergalerie mit Informationsgrafiken zum Thema 'Demographischer Wandel und Wohnraumnachfrage'

Quelleninformationen zu den Grafiken



Vielfältigere Formen des Zusammenlebens
Die Formen des Zusammenlebens haben sich in den letzten Jahrzehnten. Die bedeutendsten Trends sind die 'Pluralisierung', die Ausdifferenzierung der Haushalts-, Familien- und Lebensformen zu vermehrt „nichtkonventionellen“ Formen neben der „Normalfamilie“ und die 'Singularisierung', der Trend zu Einpersonenhaushalten.

Siehe dazu auch unsere Seite 'Vielfältige Lebensformen und Lebensstile'.

Der Anteil der traditionellen Lebensform der „Normalfamilie“ aus Eltern mit Kindern beträgt aktuell etwa 50%. Knapp ein Viertel lebt verheiratet ohne Kinder zusammen und 18% sind Alleinlebende. Traditionell 'familiäre' Lebensformen haben in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung verloren (-13% seit 1972 in Westdeutschland), während Lebensformen ohne Kinder, vor allem die ledigen Alleinlebenden, gewannen. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Haushalts(größen)typ und Alter der Bezugsperson stehen in einem engen Verhältnis, auch wenn immer mehr Abweichungen vom 'klassischen' Lebenszyklus bestehen. Folglich führt eine Veränderung der altersstrukturellen Zusammensetzung zu Veränderungen der Haushaltsgrößenstrukturen, ohne dass sich das individuelle Verhalten der Menschen ändern muss. Der langfristige Rückgang der absoluten Geburtenzahlen und der Anstieg der lebenslang kinderlosen Frauen hat einen Rückgang der Haushalte mit drei und mehr Personen zur Folge. Dagegen nimmt die Zahl der kleinen Haushalte mit ein bis zwei Personen aufgrund lebenslanger Kinderlosigkeit und zunehmender Lebenserwartung weiter zu.

Aktuelle Struktur der Haushalte
Laut StBA gab es im April 2002 in Deutschland 38,72 Mio. Privathaushaushalte. Ihre Zahl stieg in den vergangenen 30 Jahren im alten Bundesgebiet um 37,2%, die Einwohnerzahl hingegen nur um 9,3%, d.h. die Anzahl der Personen pro Haushalt nahm ab.

Siehe dazu auch unsere Seite über 'Privathaushalte'.

Dafür sind zwei miteinander verbundene Effekte verantwortlich: erstens sinkt die Zahl der Kinder in Haushalten, zweitens ist die Zahl der Haushaltsmitglieder abhängig vom Alter. Ältere Menschen wohnen überwiegend in Ein- und Zweipersonenhaushalten. Diese Struktureffekte sorgen in Zukunft dafür, dass die Zahl der Haushalte in Deutschland noch weiter ansteigen wird, selbst wenn nach 2012 die Bevölkerung bereits abnimmt.

Die oben erwähnten Veränderungen der Lebensformen spiegeln sich in den Haushaltsstrukturen wider: der Anteil der Alleinlebenden und der ohne Kinder lebenden (Ehe)paare hat sich – insbesondere durch die wachsende Gruppe der alten Menschen - deutlich erhöht, der der klassischen Kernfamilie drastisch verringert.


Weitere Zunahme der Haushalte bis 2020
Einer Haushaltsprognose von Herwig Birg zufolge steigt die Gesamtzahl der Haushalte noch bis 2015-2020 an und bleibt auch noch bis 2030 relativ stabil. Zwar wachse die Bevölkerung zuwanderungsbedingt nur noch bis 2012, fortlaufende Vereinzelungstendenzen in allen Altersstufen und das relative und absolute Wachstum der älteren Jahrgänge, die überwiegend in Ein- und Zweipersonenhaushalten leben, führten aber zu einem Wachstum der Haushalte über diesen Zeitpunkt hinaus. Während die Mehrpersonenhaushalte keine größeren Gewinne mehr verzeichnen können und schon ab 2015 zurückgehen, nehmen die Einpersonenhaushalte der Prognose zufolge noch bis 2030 deutlich zu.

Nach einer alternativen Berechung von Hullen erreicht die Summe der Haushalte im Jahr 2020 mit 39,0 Mio. ihren Höchststand und sinkt daraufhin sukzessive bis zum Jahr 2040 auf 35,0 Mio. Dabei zeigen die Einpersonenhaushalte die höchste Wachstumsdynamik und nehmen bis 2030 auf 18 Mio. zu, um danach im Zuge des Bevölkerungsrückgangs wieder leicht zurückzugehen. Die Zweipersonenhaushalte erreichen ihr Maximum mit gut 14 Mio. bereits 2020 und verringern sich bis 2040 auf 12 Mio.
Die berechnete Halbierung der Haushalte mit mehr als drei Personen von 11,5 Mio. im Jahr 2000 auf 5,5 Mio. im Jahr 2040 ist nur damit zu erklären, dass sich die Berechnungen von Hullen aussschließlich auf die deutsche Bevölkerung beziehen und keine Zuwanderung einkalkuliert wurde. Da Ausländer durchschnittlich in größeren Haushalten leben als Deutsche, ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Rückgang der größeren Haushalte nicht in dem von Hullen prognostizierten Maße vollziehen wird.


Haushalte von Zugewanderten
Alle Bevölkerungsvorausberechnungen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten ein wachsender Anteil Zugewanderter in Deutschland leben wird. Zugewanderte wohnen durchschnittlich mit mehr Personen in einem Haushalt und seltener im Eigenheim. Dieses von der deutschen Bevölkerung variierende Wohnverhalten wird sich - je nach Umfang der Zuwanderung - auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar machen.

Bis Mitte 2005 existierten keine isolierten Haushaltsprognosen für diese Bevölkerungsgruppe, da ihr zukünftiger Umfang - abhängig von den Zuwanderungsraten - kaum geschätzt werden kann. Ein Blick auf das aktuelle Haushaltsbildungsverhalten der ausländischen Bevölkerung kann aber ihren Einfluss auf die Haushaltsstruktur der Zukunft deutlich machen.

Haushalte von Zuganwanderten - auf Dauer größer?
Aufgrund ihrer jüngeren Altersstruktur und der - zumindest bis in jüngste Zeit - höheren Geburtenrate zeigen Ausländer ein systematisch anderes Haushaltsbildungsverhalten als Deutsche.

So lebten im Jahr 2002 durchschnittlich 2,63 Personen in einem Haushalt mit ausländischer, aber nur 2,10 Personen in einem Haushalt mit deutscher Bezugsperson. Fast die Hälfte der ausländischen Haushalte bestand aus drei oder mehr Personen, aber nicht einmal ein Drittel der deutschen. Gut die Hälfte der Deutschen lebt mit Kindern in einem Haushalt, aber fast drei Viertel der Ausländer, häufiger auch mit drei und mehr Kindern. Folglich schwächt das Haushaltsbildungsverhalten der ausländischen Bevölkerung den Haushaltsverkleinerungs-prozess der einheimischen Bevölkerung in der Summe etwas ab.

Es ist schwer einzuschätzen, ob sich das Haushaltsbildungsverhalten der in Deutschland geborenen Folgegenerationen noch von dem der Einheimischen unterscheiden wird. Zu beobachten ist, dass sich die durchschnittliche Größe ausländischer Haushalte seit den 90er Jahren parallel zu den deutschen ebenfalls stetig verkleinert hat – jedoch auf deutlich höherem Niveau.

Auch für die Zukunft ist mit regelmäßig hohen Nettoeinwanderungsgewinnen zu rechnen. Zuwanderung wird vermutlich zu einem Großteil aus Ländern mit traditionell kinderreichen Familien, beispielsweise der Türkei, Afrika und Asien, erfolgen. Unter der Voraussetzung, dass sich das Haushaltsbildungsverhalten dieser Migranten nicht innerhalb einer Generation grundlegend verändert, kann für den Betrachtungszeitraum von einem wachsenden Segment von Großhaushalten mit entsprechendem Wohnraumbedarf ausgegangen werden. Dieser wird sich wiederum in erster Linie auf die westdeutschen Ballungsgebiete und Kernstädte konzentrieren.


Literatur:

Birg (2000): Trends der Bevölkerungsentwicklung. Auswirkungen der Bevölkerungsschrumpfung, der Migration und der Alterung der Gesellschaft in Deutschland und Europa bis 2050, insbesondere im Hinblick auf den Bedarf an Wohnraum. Schriftenreihe des Verbands deutscher Hypothekenbanken, Frankfurt a. M., S. 63ff.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik. Bonn.

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2004): Raumordnungsprognose 2020 (ROP). Bevölkerung, Private Haushalte, Erwerbspersonen. (CD-ROM)

Dorbitz, J.; Hullen, G.; Schiener, G. (1997): Prognose der Haushalts- und Familienstrukturen bis zum Jahr 2030. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Wiesbaden.

Hullen, G. (2002): Modellrechungen der Lebensformen, Haushalts- und Familienstrukturen. In: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.): Demographische Vorausschätzungen – Grenzen und Möglichkeiten, Methoden und Ziele. Vorträge auf der gemeinsamen Sitzung des Arbeitskreises „Bevölkerungswissenschaftliche Methoden“ der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und des Ausschusses für Regionalstatistik der Deutschen Statistischen Gesellschaft am 26./27.Sep. 2000. Materialien zur Bevölkerungswissenschaft Heft 104, Wiesbaden, S. 79-106.

Hullen, G. (2003): Projections of Living Arrangements, Households and Familiy Structures. In: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.): Living Arrangements and Households – Methods and Results of Demographic Projections. Materialien zur Bevölkerungs-wissenschaft, Heft 109, Wiesbaden, S. 7-44.




Links zum Thema:

www.schader-stiftung.de
Auf der Website der Schader-Stiftung die Seiten über
'Vielfältige Lebensformen' :
- Privathaushalte
- Zahl der Ehen und Scheidungen
- familiale Lebensformen
- nicht-familiale Lebensformen

'Lebensstile und Wohnbedürfnisse':
- Wandel der Lebensstile
- Nachbarschaft wieder entdeckt
- Entwicklung des modernen Wohnens


Ansprechpartner: Dr. Tobias Robischon

 
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Letzte Änderung: 28.07.2005