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Bevölkerungsentwicklung: Umbruch nach 2012

In den vergangenen 50 Jahren ist die Bevölkerung Deutschlands um 13,4 Mio. Personen angestiegen. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend in naher Zukunft umkehrt und in einen sich langfristig beschleunigenden Prozess des Bevölkerungsrückgangs übergehen wird.

Nach der mittleren Variante der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechung des Statistischen Bundesamtes kann ein anhaltender Anstieg der Lebenserwartung sowie eine Nettozuwanderung von mindestens 200.000 Personen pro Jahr den steigenden Sterbeüberschuss noch bis 2012 überkompensieren. Bis zu diesem Zeitpunkt werde die Bevölkerung noch um gut 0,5% auf 83,1 Mio. Menschen wachsen. Danach werde die moderate Zunahme der Bevölkerung von einem zunächst langsamen, sich dann aber immer schneller vollziehenden Schrumpfungsprozess abgelöst. Das jährliche Geburtendefizit wachse angesichts der ungünstigen Altersstruktur massiv an. Im Jahr 2001 betrug es nur 94.000 Personen, 2050 würde es 580.000 Personen betragen.

Der Geburtenmangel kann, so dass Ergebnis des Szenarios, durch die angenommene anhaltend hohe Nettozuwanderung nicht ausgeglichen werden. Bis 2050 werde die Einwohnerzahl auf 75,1 Mio. sinken. Im Vergleich mit dem Höchststand aus dem Jahr 2012 entspricht dies einem Bevölkerungsrückgang um rund 10%.

Wird von einer geringeren Nettozuwanderung, z.B. nur 100.000 pro Jahr, ausgegangen, würden 2050 nur noch 67 Mio. Menschen in Deutschland leben.

Exkurs: Methodik von Bevölkerungsvorausrechnungen


Bildergalerie mit Informationsgrafiken zum Thema 'Demographischer Wandel und Wohnraumnachfrage'

Quelleninformationen zu den Grafiken


Diese Entwicklung hat zwei Ursachen:
  1. Da die Alterskohorte der potenziellen Mütter von Jahr zu Jahr kleiner wird, wird die absolute Zahl der Geburten abnehmen - bei einer als konstant angenommenen Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau.
  2. Die Zahl der Sterbefälle wird trotz sinkender Sterblichkeit anschwellen, da die stark besetzten Geburtenjahrgänge 1957-68 ab 2020 in die höheren Altersstufen vorrücken.
Gravierende Veränderungen der Altersstruktur

Hinter den Zahlen für die Entwicklung der Gesamtbevölkerung verbergen sich gravierende Verwerfungen in der Alterszusammensetzung. In den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren erreichen die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge ('Baby-Boomer') das Rentenalter. Alle Jahrgänge, die folgen werden, sind deutlich geringer besetzt.
Bis 2050 wird die 'Bevölkerungspyramide', die noch zu Zeiten des Kaiserreichs bestand, die Form einer Urne mit einer schmalen jungen Altersgruppe und einer deutlich breiteren von über 60-Jährigen annehmen.

Siehe dazu auch die Seite 'Langfristige Trends der Bevölkerungsentwicklung' auf www.schader-stiftung.de.

In absoluten Zahlen ausgedrückt wird die Altersgruppe der unter 65-Jährigen bis 2030 um 8,5 Mio. und bis 2050 um insgesamt 15,2 Mio. Personen abnehmen. Dagegen wächst die Gruppe der ab 65-Jährigen, insbesondere aber der ab 80-Jährigen, massiv an. 2050 wird über ein Drittel der Bevölkerung 65 Jahre und älter sein. Mit der Veränderung der Altersstruktur wandelt sich auch die Nachfragestruktur auf dem Wohnungsmarkt.


Anteil der Zugewanderten wächst
Wie sich das Verhältnis von Einheimischen zu Zugewanderten verschiebt, zeigt sich am besten, wenn nicht die Staatsangehörigkeit, sondern der 'Migrationshintergrund' nach Birg und Flöthmann betrachtet wird. 'Personen mit Migrationshintergrund' sind nach dieser Definition alle, die entweder selbst einwanderten oder deren Eltern Migranten waren, auch wenn sie selbst in Deutschland geboren wurden und den deutschen Pass besitzen.

Der Anteil der 'Personen mit Migrationshintergrund' betrug 1998 nach den Angaben von Birg und Flöthmann noch 9,0% (7,4 Mio.), bis 2030 werde er nach Berechungen der Forscher auf 19,6% (15,2 Mio.) und bis 2050 auf 27,9% (19 Mio.) ansteigen. Die einheimische Bevölkerung hätte danach bis zum Jahr 2050 um rund 26 Mio. Personen abgenommen und die zugewanderte Bevölkerung um rund 11 Mio. zugenommen.
Nach den Berechnungen Birgs und Flöthmanns werden 84% der Zugewanderten und ihrer Nachkommen bis 2050 in den alten Bundesländern leben. Ihr Anteil wird sich dort von 10,6% (1998) auf 30,6% (2050) erhöhen. Aufgrund der spezifischen Migrationsmuster der internationalen Zuwanderer sind besonders hohe Anteile in den Kernstädten der Agglomerationsräume zu erwarten.

Tabelle: Bevölkerungsentwicklung der vier Teilpopulationen von 1998 bis 2050 (in Mio.)

Literatur:

Berlin-Institut für Weltwirtschaft und globale Entwicklung (Hrsg.) (2004): Deutschland 2020. Die demographische Zukunft einer Nation. Berlin. (CD-ROM). www.berlin-institut.org/index1.html

Birg, H.; Flöthmann, E.-J. (2001): Demographische Projektionsrechnungen für die Rentenreform 2000. Methodischer Ansatz und Hauptergebnisse. Materialien des Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik (IBS) der Universität Bielefeld, Band 47a, Bielefeld.

Birg, H. (2003): Die demographische Zeitenwende. Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. 3. Aufl., München.
Bundesministerium des Inneren (2000): Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2050. Berlin.

Buttler, G. (2003): Steigende Lebenserwartung – was verspricht die Demographie? In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 36, Heft 2, S. 90-94.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) (2000): EU-Osterweiterung: Keine massive Zuwanderung zu erwarten. In: DIW-Wochenbereicht 21/2000, S. 315-326

Kirbach, R. (2001): Land ohne Leute. In: Die Zeit, Nr. 20 vom 10.05.01. S. 13

Statistisches Bundesamt (2003): Bevölkerung Deutschlands bis 2050. 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Bonn.

Statistisches Bundesamt (2003): Bevölkerung Deutschlands von 2002 bis 2050. 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden. (CD-ROM)

Links zum Thema:

www.destatis.de
Statistisches Bundesamt

www.bib-demographie.de
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

www.schader-stiftung.de
Sozialer Wandel: Eine alternde Gesellschaft
Mit Informationen zu
- Geburten- und Sterbefälle
- Außenwanderungen
- Binnenwanderungen
- Altersstruktur
- Langfristige Entwicklung
- weitere Informationsquellen

Ansprechpartner: Dr. Tobias Robischon

 
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Letzte Änderung: 28.07.2005